102. MARKANT Handels-Forum Food

Veranstaltung
17.10.2012 bis 18.10.2012
DE Karlsruhe
102. MARKANT Handels-Forum Food 102. MARKANT Handels-Forum Food

Mit Inkrafttreten der Lebensmittelinformations-Verordnung sowie der Kosmetik-Verordnung sind Handel und Industrie gefordert. Auf dem Handels-Forum Food hat MARKANT über die Herausforderungen der EU-Verordnungen informiert.

Vorbereitet auf die Zukunft

Vieles ist noch unklar, vieles in der Schwebe: Zwar sind die europäische Kosmetik- und die Lebensmittelinformations-Verordnung (LMIV) längst beschlossene Sache und werden Mitte 2013 beziehungsweise Ende 2014 Gültigkeit erlangen. Doch auf dem 102. MARKANT Handels-Forum Food machten Experten deutlich, dass es bei der Umsetzung der EU-Verordnungen noch einige Unklarheiten gibt. Handel und Industrie werden gegenüber Gesetzgebung und Verbrauchern zwar in die Pflicht genommen, doch es mangelt an konkreten Handlungsempfehlungen.

LMIV-Herausforderung

Die LMIV konsolidiert und aktualisiert zwei Bereiche des EU-Kennzeichnungsrechts: die europäische Etikettierungsrichtlinie sowie die Nährwertkennzeichnungsrichtlinie. Künftig gilt für alle Verpackungen bei Lebensmitteln: verpflichtende Nährwertdeklaration, Mindestschriftgröße und Hervorhebung der Allergene im Zutatenverzeichnis. Zu den Pflichtangaben auf der Verpackung zählen neben Verkehrsbezeichnung, Mindesthaltbarkeitsdatum, Herstellerangabe, Zutatenliste, Füllmenge und Nährwertdeklaration auch die Zubereitungsanleitung und Aufbewahrungshinweise. Damit kann es laut Claudia Deppe, Lebensmitteltechnologin bei Dr. Oetker, zu Platzproblemen kommen, insbesondere bei mehrsprachigen Verpackungen.

Bei Lebensmitteln in zylinderförmigen Behältnissen wird derzeit zudem diskutiert, wie sich die „größte Oberfläche“ definiert beziehungsweise berechnet, von der die Schriftgrößenerfordernisse abhängig sind. „Wird es bei der derzeitigen Auslegung bleiben, dass die gesamte Mantelfläche zu Grunde gelegt wird, könnte es hier zu einer Benachteiligung gegenüber eckigen/quaderförmigen Verpackungen kommen“, betont Claudia Deppe. Generell gilt für die Hersteller: „Wir werden mehr Platz für die  verpflichtenden Kennzeichnungselemente benötigen und somit weniger Platz für Produktabbildungen zur Verfügung haben.“ Die Probleme bei der Umsetzung seien vielfältig. Beispiel Herkunftsbezeichnung bestimmter Zutaten: Ist der Herkunftsort eines Produktes angegeben und weicht er ab vom Herkunftsort der primären Zutat/Zutaten, sei unklar, in welcher Form dies auf der Verpackung anzugeben ist. Die EU will bis Ende 2013 dazu Vorgaben erstellen.

Kosmetik-Verordnung

Auch bei der Kosmetik-Verordnung ist die EU laut Gabriele Sachs gefordert. „Wie bei der LMIV hängen viele Leitlinien noch in der Schwebe“, so die Lebensmittelchemikerin der Beratungsgesellschaft AGU. Beispiel Sicherheitsbericht bei kosmetischen Mitteln: Dieser ist künftig ausführlicher gestaltet. Das stellt Eigenmarkeninhaber – deren Adresse auf der Verpackung aufgedruckt ist und die somit als Hersteller per Definition gelten – laut Sachs vor eine große Aufgabe bezüglich der Dokumentation. „Diese Eigenmarken werden häufig von kleineren oder mittleren Kosmetikherstellern produziert. Leitlinien als Hilfestellung sind von der EU jedoch bisher noch nicht veröffentlicht worden“, so die Expertin. Gabriele Sachs weist darauf hin, dass zukünftig auch Verstöße gegen die Dokumentationspflicht strafbar sein könnten.

Bei der Kennzeichnung auf den Verpackungen seien die Probleme für Kosmetikhersteller allerdings nicht so vielfältig wie für Lebensmittelhersteller. Gefordert ist eine leichte Lesbarkeit. Insbesondere bei dekorativer Kosmetik stehe die Industrie hier aber vor Herausforderungen, da kleine Produkte kaum Platz für Informationen böten.

Diskussions-Forum

Das MARKANT Handels-Forum Food bot Herstellern und Einkäufern des Handels reichlich Raum und Platz, über die bevorstehenden EU-Verordnungen zu diskutieren. Die zweitägige Veranstaltung hat die Besucher dafür sensibilisiert, dass sowohl Handel als auch Industrie bei Produktinformationen künftig in der Pflicht gegenüber Gesetzgebung und Verbrauchern stehen. Am Abend des ersten Messetags war der traditionelle MARKANT-Treff, diesmal unter dem Motto „Hanseatisch-norddeutsche Akzente“, willkommene Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch.