MARKANT Mitgliederkongress 2016

Veranstaltung
08.06.2016 bis 09.06.2016
DE München
MARKANT Mitgliederkongress 2016 MARKANT Mitgliederkongress 2016

Warum die Zukunft nicht vorhersehbar ist

Die Welt wird immer komplexer, die Zukunft zu planen schwieriger. Warum es wichtig ist, auf unvorhersehbare Ereignisse gut vorbereitet zu sein, analysierte die MARKANT auf ihrem Mitgliederkongress. 

Vor zwei Jahren stand der Mitgliederkongress der MARKANT unter dem Motto „Big Data“. Einige der Vorhersagen sind eingetreten, andere wiederum nicht. „Du kannst deine Zukunft nicht vorhersagen, aber gestalten“, resümierte dazu Franz-Friedrich Müller, Geschäftsführer der MARKANT AG. Mit diesen Worten leitete er den Mitgliederkongress in München ein. Dieser stand unter dem Titel „Schwarze Schwäne – Richtiges Handeln beim Eintritt unvorhersehbarer Ereignisse“. Die MARKANT lag mit dem Thema am Puls der Zeit, was auch die große Teilnehmerzahl belegte. Rund 250 Führungskräfte der Mitglieder aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Osteuropa nahmen am Kongress teil. Aus verschiedenen Perspektiven beleuchteten renommierte Referenten die Schwarzen Schwäne. Es wurde aufgezeigt, in welchen Bereichen mit ihnen gerechnet werden muss und wie man damit am besten umgeht. Ein Schwarzer Schwan wird als ein Ereignis bezeichnet, das selten und höchst unwahrscheinlich, aber überraschend häufig mit extremen Konsequenzen verbunden ist.

„Wir blicken auf eine Welt, die sehr volatil zu sein scheint, weil offensichtlich immer mehr Dinge geschehen, die nicht auf der Tagesordnung stehen oder so nicht absehbar waren, wie sie eintrafen“, so Müller. Vor diesem Kontext solle der Lebensmittelhandel nicht glauben, er bliebe vor Unvorhersehbarem verschont. Deshalb beschäftige sich die MARKANT intensiv mit Zukunftsfragen.

Das Kongressgeschehen wurde zudem von der Illustratorin Aneta Radon per Graphic Recording aufgezeichnet. Dabei handelt es sich um eine sichtbar gemachte Dokumentation von Informationen – live und vor Ort; sprich um visuell aufbereitete Informationen, die sich dadurch direkt und schnell erfassen lassen. Die Moderation des Kongress übernahm Vince Ebert, diplomierter Physiker, Vortragsredner, Autor und Kabarettist. „Wir müssen akzeptieren, dass es buchstäblich in allen Bereichen Schwarze Schwäne gibt“, sagte Ebert zu Beginn der Veranstaltung. Die Welt sei zu komplex, um sie 100 Prozent planen zu können. Wenn alles voraussehbar wäre, würde dies auch bedeuten, dass die Zukunft feststehe. Damit bliebe kein Raum für Flexibilität und Kreativität. „Freiheit, Fortschritt und auch Innovation gibt es nur um den Preis der Unberechenbarkeit“, so der Moderator.

Mehr Raum für Flexibilität

Flexibilität und Kreativität forderten so auch die Referenten des ersten Tages des MARKANT Mitgliederkongresses. Ihr Hauptaugenmerk lag auf den Themen demografischer Wandel und Arbeitsmarkt. Die Gesellschaft wird älter und die Fachkräfte werden rarer. So sollten sich nach Ansicht von Dr. Steffi Burkhart, Expertin Generation Y, Unternehmen auf die Machtverschiebung hin zum Bewerbermarkt einstellen. Flexible und wettbewerbsorientierte Arbeits- und Gütermärkte forderte indes Prof. Dr. Christoph M. Schmidt, Vorsitzender des Sachverständigenrates Wirtschaft. Denn dies sei essentiell für eine gute Innovationspolitik. Letztlich geht es darum, den Wandel aktiv zu gestalten. „Um sich auf die Zukunft einzustellen, muss man das Ziel kennen und wissen, wohin man will.“ So ein Fazit von Franz Müntefering, ehemaliger SPD-Vorsitzender und Bundesminister.

Globale Herausforderungen

Der Vortragsblock „Globale Spannungsfelder – was erwartet die Welt?“ am zweiten Tag des Mitgliederkongresses drehte sich um die Themen Flüchtlingskrise, Migration, Unsicherheit und globale Konfliktherde. Die Thesen der Referenten: Globalisierung und Migration gibt es schon seit Jahrzehnten – wie auch die Diskussionen darüber. Doch gerade die aktuelle Lage der globalen Brandherde und die damit verbundene Flüchtlingskrise erhitzen die Gemüter, sprich das „Weltklima“. Die Welt ist einem fundamentalen Wandel unterworfen. Ein chaotisch- dynamisches System ist die neue Ordnung. Dies gilt es zu akzeptieren und sich auch darauf einzustellen. An Stelle einer „Schönwetterunion“ brauche es laut den Referenten eine krisenfeste EU, klare Prinzipien, kühle Abwägungen und proaktives Handeln, um den globalen und den regionalen Herausforderungen begegnen zu können.

Aber nicht nur die Welt, auch die Politik befindet sich in einem Spannungsfeld. Dabei sind die Themen Einwanderung und Integration von besonderer Relevanz. Über den Einwanderungskontinent Europa und das damit verbundene notwendige Handeln referierte Wolfgang Thierse, SPD-Politiker und ehemaliger Präsident des Deutschen Bundestages. „Pluralismus ist keine Idylle, sondern steckt voller Konfliktpotenzial, dem wir uns stellen müssen“, erklärte Thierse. Integration lohne sich und sei auch erreichbar.

Es sind allerdings die Menschen, die es für den Wandel braucht. Und sie sind es auch, die ihn bewirken können. So stand der zweite Tag des MARKANT Mitgliederkongresses auch unter dem Thema „Menschen als Manager des Wandels – welche Einflussmöglichkeiten bleiben noch?“ Denn: Wandel bedeutet zwangsläufig auch Veränderung – und dazu braucht es Strategien. Diese werden zum Navigationsmittel und zur einzig möglichen Einflussnahme in einer zunehmend komplexen Welt. Doch rationale Strategien verlieren wiederum durch irrationales Verhalten ihre Sinnhaftigkeit. Somit sei der Faktor „menschliches Verhalten“ stets zu berücksichtigen – auf den Märkten wie auch in den Unternehmen. Ferner sei es besser abzuwarten, als in puren Aktionismus zu verfallen. Denn blinder Aktionismus führe oft ins Verderben. Ruhe und Gelassenheit seien hingegen der Garant langfristigen Überlebens. Überzogenes Effizienzstreben könne ebenfalls nicht funktionieren. Vielmehr führe dies zu Überbelastung. Wandel bedeute daher auch, überkommene Management-Grundsätze über Bord zu werfen. So braucht es nicht nur rationale Strategien den Wandel einzuleiten, sondern auch die Bereitschaft, die Veränderung anzugehen.

Schwarzer Schwan Internet

Wandel ist, bedingt durch die globalen und digitalen Herausforderungen, in allen Bereichen vorzufinden, so auch in der Medienlandschaft. Vor allem die zunehmende Digitalisierung trägt zur Veränderung der Medien und der Mediennutzung bei. So wurde im Vortragsblock das Thema „Medien als Entwicklungstreiber – bleibt die Wahrheit auf der Strecke?“ vor allem unter dem Gesichtspunkt der Digitalisierung beleuchtet. Dabei hinterfragten die Referenten die Glaubwürdigkeit, Nutzung und den Auftrag der Medien. Eine These der Referenten: Digitalisierung geht mit zunehmender Individualisierung einher. Somit werden die Medien zum Echoraum des Individuums. Ferner führe Digitalisierung zu Hypes, was zu einer einseitigen Gewichtung von Themen führe. Es brauche Bildung, ein weit gefächertes Themenangebot, mehr Tiefe und Fakten sowie Transparenz und einen überprüfbaren Journalismus, damit die Vielfalt des Internets nicht zum Schwarzen Schwan werde.