Markant Mitgliederkongress 2026

Veranstaltungen | | DE München

Der Markant Mitgliederkongress 2026 stand in München unter dem Motto «Verstehen. Verbinden. Verändern.».

Die Welt befindet sich im Wandel. Beim Markant Mitgliederkongress im Bayerischen Hof in München diskutierten renommierte Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik über die zentralen Herausforderungen unserer Zeit. Die klare Botschaft: Zukunft entsteht dort, wo Menschen bereit sind, Gewissheiten zu hinterfragen und gemeinsam neue Wege zu gehen.

Bereits zur Eröffnung des Markant Mitgliederkongresses, der vom 11. bis 12. Juni im Bayerischen Hof in München stattfand, machten die beiden Geschäftsführer der Markant AG, Dominik Scheid und Markus Tkotz, deutlich, worum es bei der diesjährigen Veranstaltung gehen sollte. Das Motto «Verstehen. Verbinden. Verändern.“ sei weit mehr als ein Leitsatz. Es beschreibe die Anforderungen einer Zeit, in der sich Märkte, Technologien und politische Rahmenbedingungen mit hoher Geschwindigkeit verändern. «Zerfallende Strukturen bieten immer auch die Chance auf etwas Neues», sagte Dominik Scheid. Gerade Europa habe die Möglichkeit, sich in einer sich wandelnden Welt neu aufzustellen – kooperativer, geeinter und stärker.

Für Markus Tkotz ist Kooperation dabei der entscheidende Erfolgsfaktor. Schwierige Zeiten machten den Wert von Zusammenarbeit besonders sichtbar. Die Aufgabe von Markant sei es, Handel und Industrie miteinander zu vernetzen, Wissen zu bündeln und daraus konkrete Mehrwerte zu schaffen.

Mit rund 230 Gästen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Osteuropa wurde der Bayerische Hof einmal mehr zum Treffpunkt einer europäischen Kooperationsfamilie. Durch das Programm des zweitägigen Kongresses führte die Journalistin, Moderatorin und Physikerin Kristina zur Mühlen. Die Veranstaltung bot dabei vielfältige Gelegenheiten für Austausch, Vernetzung und neue Impulse für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit.

 

Zukunft braucht Innovation

Den wirtschaftspolitischen Auftakt übernahm die Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Prof. Dr. Dr. h. c. Monika Schnitzer. In ihrem Vortrag «Abgehängt oder wettbewerbsfähig? Deutschland und Europa unter Druck» zeichnete sie ein differenziertes Bild der aktuellen Lage. Deutschland stehe unter erheblichem Druck. Die Wachstumserwartungen seien aufgrund geopolitischer Krisen und globaler Unsicherheiten erneut gesunken. Gleichzeitig würden strukturelle Probleme immer sichtbarer. Die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen werde durch hohe Kosten, Bürokratie, demografische Entwicklungen und wachsende internationale Konkurrenz herausgefordert. Besonders deutlich wurde Schnitzer beim Thema Innovation. Deutschland dürfe sich nicht darauf verlassen, mit den Erfolgsmodellen der Vergangenheit auch die Zukunft zu gewinnen. «Wir müssen die Krise als Katalysator nutzen, um die Wirtschaft von morgen zu gestalten», forderte sie. Als entscheidenden Hebel sieht sie die künstliche Intelligenz. Sie werde Produktivität, Geschäftsmodelle und Arbeitsmärkte grundlegend verändern. Unternehmen müssten bereit sein, diese Chancen konsequent zu nutzen. Gleichzeitig seien Bildung, Qualifizierung und Investitionen in digitale Infrastruktur unverzichtbar. Auch die sozialen Sicherungssysteme müssten reformiert werden. Angesichts des demografischen Wandels seien Veränderungen bei Renten-, Pflege- und Gesundheitssystem unausweichlich. Die Politik müsse hier Mut beweisen und langfristig tragfähige Lösungen entwickeln.

 

Europa in der Zeitenwende

Mit Dr. Claudia Major rückte anschliessend die geopolitische Perspektive in den Mittelpunkt. Die Sicherheitsexpertin und Senior Vice President Transatlantic Security, German Marshall Fund, zeichnete in ihrem Referat «Aus der Traum von Weltfrieden» das Bild einer Welt, in der Konflikte, Machtpolitik und strategische Konkurrenz zunehmend die internationale Ordnung bestimmen. Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine, die Spannungen im Nahen Osten und die zunehmende Rivalität zwischen den USA und China sowie die veränderte Aufstellung der USA hätten die sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen grundlegend verändert. Major machte deutlich, dass Europa heute nicht mehr davon ausgehen könne, Sicherheit und Stabilität seien selbstverständlich. «Nicht handeln hat ebenfalls Folgen», betonte sie mehrfach. Besonders eindringlich schilderte sie, wie eng die globale Vernetzung mittlerweile geworden ist. Konflikte in anderen Weltregionen hätten unmittelbare Auswirkungen auf Europa – wirtschaftlich, technologisch und sicherheitspolitisch. Für Europa bedeute das vor allem eines: mehr Eigenverantwortung. Militärische Abschreckung, Verteidigungsfähigkeit und gesellschaftliche Resilienz müssten gemeinsam gedacht werden. Gleichzeitig brauche es eine «mentale Zeitenwende». Europa müsse lernen, Zukunft aktiv zu gestalten, statt lediglich auf Entwicklungen zu reagieren. «Spieler sein und nicht Spielball», lautete ihr Appell an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

 

Sanfte Radikalität

Einen völlig anderen Blick auf gesellschaftliche Veränderungsprozesse brachte Schriftstellerin, Publizistin und Podcasterin Jagoda Marinić mit ihrer Rede zum Thema «Sanfte Radikalität – wie Zukunftsthemen in vielfältigen Gesellschaften Mehrheiten finden» auf die Bühne. Sie beschäftigte sich mit der Frage, wie gesellschaftlicher Zusammenhalt in Zeiten zunehmender Polarisierung gelingen kann. Ausgangspunkt ihrer Überlegungen war die Beobachtung, dass Debatten immer häufiger von Abgrenzung, Empörung und Negativität geprägt werden. Es gehe nicht darum, Konflikte zu vermeiden oder Probleme schönzureden. Vielmehr müsse man den Mut haben, Menschen trotz unterschiedlicher Positionen miteinander ins Gespräch zu bringen. Anhand eines erfolgreichen Integrationsprojektes in Heidelberg zeigte sie, wie sich selbst festgefahrene Konflikte überwinden lassen. Der Schlüssel liege darin, Ressourcen sichtbar zu machen, Gemeinsamkeiten zu stärken und Zukunftsbilder zu entwickeln, hinter denen sich unterschiedliche Gruppen versammeln können. «Wir unterschätzen die Kraft der Geschichten, die wir uns über uns selbst erzählen», sagte Marinić. Wer permanent von Niedergang und Krise spreche, verstärke Unsicherheit und Resignation. Wer dagegen Perspektiven aufzeige, ermögliche Veränderung. Für sie beginnt gesellschaftliche Erneuerung mit einer neuen Gesprächskultur – einer Kultur, die Probleme erkennt, aber gleichzeitig den Blick auf Lösungen richtet.

 

Lektionen aus dem Cockpit

Den Auftakt des zweiten Kongresstage machte Philip Keil mit seinem Vortrag zum Thema «Führen wie im Cockpit: Klar entscheiden, sicher landen». Anhand eines dramatischen Flugerlebnisses schilderte der Pilot und Management- Vordenker, wie er kurz nach dem Start in Ägypten in eine lebensbedrohliche Windscherensituation geriet und das Flugzeug nur durch konsequentes Handeln retten konnte. Aus dieser Erfahrung leitete er zentrale Führungsprinzipien ab. Unternehmen befänden sich heute, ähnlich wie Flugzeuge, in turbulenten Wetterlagen. Entscheidend sei nicht, ob Fehler passieren, sondern wie Organisationen mit Fehlern umgehen. Keil stellte die Bedeutung einer Vertrauenskultur in den Mittelpunkt. Teams seien dann erfolgreich, wenn Menschen offen über Fehler sprechen könnten und Informationen weitergeben, die gehört werden müssen – nicht nur jene, die angenehm sind. Vertrauen sei der eigentliche Treibstoff erfolgreicher Zusammenarbeit. Besonders eindrucksvoll war seine Beschreibung moderner Cockpit-Kultur. Dort zähle nicht die Hierarchie einer Person, sondern die jeweilige Rolle. Verantwortung werde situativ übernommen. Dieses Rollenverständnis ermögliche Lernen, Perspektivwechsel und eine Kultur gegenseitiger Kontrolle. Seine Botschaft an die Teilnehmer lautete: Wer Wandel gestalten will, muss Vertrauen schaffen, Verantwortung teilen und Menschen die Möglichkeit geben, Erfahrungen selbst zu machen.

 

Demokratie unter Druck

Im anschliessenden Panel diskutierten der ehemalige hessische Ministerpräsident Prof. Dr. h. c. mult. Roland Koch, der Soziologe Prof. Dr. Armin Nassehi und der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) Kiel, Prof. Dr. rer. pol. Moritz Schularick, über den Zustand von Demokratie und Wirtschaft. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Vertrauen in politische Institutionen zurückgewonnen werden kann. Die Diskutanten waren sich einig, dass Deutschland nicht allein vor wirtschaftlichen Herausforderungen steht, sondern auch vor einer Vertrauenskrise. Roland Koch betonte, dass Bürger vor allem Entschlossenheit erwarten. Menschen wollten das Gefühl haben, dass politische Führung wisse, wohin sie das Land führen wolle. Unsicherheit und öffentliche Streitigkeiten innerhalb politischer Lager verstärkten dagegen Misstrauen. Armin Nassehi verwies darauf, dass der Vertrauensverlust nicht nur die Politik betreffe. Auch Eliten, Institutionen und gesellschaftliche Autoritäten stünden zunehmend unter Rechtfertigungsdruck. Umso wichtiger sei es, Orientierung zu geben und nachvollziehbare Entscheidungen zu treffen. Moritz Schularick zeichnete ein differenziertes Bild der wirtschaftlichen Lage Deutschlands. Zwar sei Deutschland weiterhin eine der grössten Volkswirtschaften der Welt, dennoch dürfe man sich auf dieser Position nicht ausruhen. Die eigentliche Herausforderung liege in strukturellen Problemen. Deutschland sei stark in den Technologien des vergangenen Jahrhunderts, müsse aber stärker in Zukunftstechnologien investieren. Robotik, künstliche Intelligenz, Quantentechnologie, Biotechnologie und moderne Mobilitätslösungen wurden als zentrale Wachstumsfelder genannt. Die Diskussion machte deutlich, dass wirtschaftlicher Erfolg künftig stärker von Innovationsfähigkeit und Risikobereitschaft abhängen wird. Ein übermässiger Fokus auf Sicherheit könne Innovationsprozesse ausbremsen.

 

Mehr Mut zum Risiko

Ein wiederkehrendes Thema des Kongresses war die deutsche Haltung gegenüber Risiken. Die Diskussionsteilnehmer verwiesen darauf, dass Deutschland in vielen Bereichen auf Absicherung und Stabilität setzt – häufig zulasten von Geschwindigkeit und Innovation. Dabei wurde deutlich, dass Risikobereitschaft nicht bedeutet, leichtsinnig zu handeln. Vielmehr gehe es darum, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Experimente ermöglichen und Scheitern nicht übermässig bestrafen. Erfolgreiche Innovationen würden fast immer aus Versuch und Irrtum entstehen. Wer Neues schaffen wolle, müsse auch akzeptieren, dass nicht jede Idee erfolgreich sei.

 

Künstliche Intelligenz

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den Chancen künstlicher Intelligenz. Die Experten waren sich einig, dass KI Wirtschaft und Gesellschaft grundlegend verändern wird. Dabei standen weniger Bedrohungsszenarien im Vordergrund als vielmehr die Frage, wie Deutschland die Technologie produktiv nutzen kann. KI könne Verwaltung, Industrie, Forschung und Dienstleistungen deutlich effizienter machen. Gleichzeitig wurde betont, dass Bildung, Qualifizierung und flexible Arbeitsmärkte notwendig seien, um die Vorteile möglichst breit in der Gesellschaft zu verankern.

 

Anreize statt Appelle

Der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Christian Rieck brachte mit zahlreichen interaktiven Beispielen die Mechanismen strategischer Entscheidungen näher. die zentrale Erkenntnis seines Vortrags «So wird es kommen!.... oder doch nicht? Zukunftsszenarien durch die Linse der Spieltheorie»: Menschen verharren häufig in bestehenden Systemen, selbst wenn bessere Alternativen existieren. Der Grund liegt darin, dass individuelle Risiken oft höher erscheinen als der mögliche gemeinsame Nutzen. Rieck zeigte, wie Kooperation entstehen kann und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit Menschen gemeinsam handeln. Erarbeitetes Vertrauen, nachvollziehbare Regeln und geeignete Rahmenbedingungen seien entscheidend. Sein Appell lautete, weniger zu versuchen, Menschen zu verändern, sondern stärker die Spielregeln und Rahmenbedingungen anzupassen.

 

Europas Rolle im Machtgefüge

Mit dem Politikwissenschaftler Prof. Dr. phil. Herfried Münkler rückte die geopolitische Perspektive in den Fokus. Er beschrieb in seinem Referat «Die Neuordnung der Mächte – Friedensoptionen in einer Welt im Chaos» eine Welt, in der traditionelle internationale Regeln zunehmend unter Druck geraten. Die globale Ordnung werde stärker von Machtpolitik geprägt. Russland, China und die USA agierten zunehmend nach eigenen Interessen. Europa müsse deshalb seine politische und strategische Handlungsfähigkeit stärken. Münkler plädierte für mehr europäische Geschlossenheit, schnellere Entscheidungsprozesse und eine stärkere sicherheitspolitische Eigenständigkeit. Die Europäische Union müsse lernen, in einer Welt wachsender Konkurrenz als eigenständiger Akteur aufzutreten.

 

Verantwortung statt Resignation

Den emotionalen Höhepunkt des Kongresses setzte der frühere Bundespräsident Dr. Joachim Gauck mit seiner Abschlussrede «Freiheit verpflichtet: Verantwortung als Kern der Demokratie» Gauck spannte einen Bogen von den Erfahrungen seiner Generation bis zu den aktuellen Herausforderungen Europas. Er warnte vor Wunschdenken und einer Kultur des Zögerns. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft müssten bereit sein, Wirklichkeiten anzuerkennen und daraus Konsequenzen abzuleiten. Besonders eindringlich war sein Plädoyer für Eigenverantwortung. Freiheit sei niemals selbstverständlich. Sie müsse durch verantwortungsbewusstes Handeln immer wieder neu gesichert werden. Gauck erinnerte daran, welche historischen Leistungen Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten erreicht habe. Statt sich von Problemen lähmen zu lassen, müsse das Land Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickeln. Sein Fazit: Zukunft entsteht nicht durch Abwarten, sondern durch Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.

 

Resümee

Der Markant Mitgliederkongress 2026 zeigte eindrucksvoll, dass Wirtschaft, Politik und Gesellschaft vor tiefgreifenden Veränderungen stehen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die notwendigen Antworten längst vorhanden sind: Vertrauen schaffen, Verantwortung übernehmen, Innovation ermöglichen und Zusammenarbeit stärken. Die Teilnehmer verliessen den Bayerischen Hof mit vielen Denkanstössen, aber auch mit einer klaren Botschaft: Die Zukunft wird nicht von denjenigen gestaltet, die auf bessere Zeiten warten, sondern von denen, die bereit sind, sie aktiv und kooperativ zu gestalten.

Aufgrund der besseren Lesbarkeit wird auf der Website nur die männliche Form verwendet. Diese Form versteht sich explizit als geschlechtsneutral.